Die Antreiber in unserem Kopf
und was wir dagegen tun können

Als Antreiber bezeichnen wir in der Transaktionsanalyse (TA) elterliche Botschaften, die dem Kind ermöglichen sollen, das Leben gut zu meistern. Sie werden im Kindesalter verinnerlicht und enthalten sowohl Einschränkungen als auch Ressourcen.

Mit Antreibern reagieren wir auf ausgesprochene wie unausgesprochene Ansprüche von autoritären Figuren, vor allem von unseren Eltern, Verwandten und frühen Bezugspersonen. Deren Erwartungen an uns haben wir so sehr verinnerlicht, dass sie noch unser Verhalten als Erwachsene bestimmen.

Taibi Kahler, US-amerikanischer Psychologe, hat folgende fünf Antreiber definiert:

«Sei (immer) stark»

Dieser Antreiber besagt: Sich keine Blösse geben, Vorbild sein, Haltung bewahren, eiserne Konsequenz zeigen und am besten alles allein durchstehen, nur keine fremde Hilfe in Anspruch nehmen, «wir lösen unsere Probleme selber». Dieser Antreiber ist ein Aufruf zum Heldentum und eine Warnung davor, Gefühle zu zeigen oder traurig zu sein. Er hilft uns, vorsichtig zu sein und uns auf uns selbst verlassen zu können.

«Sei (immer) perfekt» oder «Mach keine Fehler»

Dieser Antreiber verlangt Perfektion, Vollkommenheit und Gründlichkeit in allem, was wir tun. Wir wollen die Kontrolle. Fehler und Inkompetenz vermeiden. In der Regel erwarten wir ein solches Verhalten auch von anderen. Dieser Antreiber ist ein Aufruf zur Übererfüllung der Ziele, hilft uns jedoch, sorgfältig nachzudenken oder uns gründliche Kenntnisse anzueignen.

«Sei (immer) gefällig» oder «Mache es allen anderen recht»

Bei diesem Antreiber ist der/die andere immer wichtiger als man selbst. Wer unter diesem Antreiber steht, fühlt sich dafür verantwortlich, dass die anderen sich wohlfühlen. Er/sie kommt den anderen entgegen; denn es ist ihm/ihr wichtig, von anderen geschätzt zu werden und beliebt zu sein. Dieser Antreiber ist ein Aufruf zur Freundlichkeit, Harmonie und Konfliktvermeidung. Ist dieser Antreiber stark ausgeprägt, können wir gut Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen.

«Mach (immer) schnell» oder «Beeil dich»

Dieser Antreiber ist Anlass, alles schnell zu erledigen, auch schnell zu antworten, schnell zu sprechen, schnell zu essen. Entbehrungen werden so vermieden. Er ist ein Aufruf zur Hektik und zum Verlassen der Gegenwart und kann eine verborgene Warnung an andere sein, uns nicht zu nahe zu kommen. Ungeduld und Überforderungen können entstehen. Er hilft uns, entscheidungsfreudig zu sein, schnell vorwärts zu kommen und effizient zu sein.

«Streng dich (immer) an»

Wer diesem Antreiber folgt, macht aus jedem Auftrag ein Jahrhundertwerk. Wir versuchen, auch andere dazu zu bringen, dass sie sich mit uns zusammen bemühen. Wer unter dem Einfluss dieses Antreibers steht, folgt dem Aufruf: «Nur nicht lockerlassen». Darin ist auch die Warnung enthalten, sich nicht gehen zu lassen. Dieser Antreiber hilft uns, Herausforderungen anzunehmen und wichtige Aufgaben wahrzunehmen.

Niemand steht jedoch 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche unter dem Diktat von Antreibern. Sie treten vor allem in Stress- und Belastungssituationen zum Vorschein.

Wie du siehst, haben Antreiben Stärken und Ressourcen. Einschränkend sind die Antreiber dann, wenn das Wort «immer» dazu kommt: Sei immer gefällig, sonst bist du nicht in Ordnung. Oder: Sei immer perfekt, sonst bist Du nicht in Ordnung. Oft werden Antreiber dann als innerliche Drohung empfunden.

Wenn wir diese Antreiber immer ausleben müssen und «gut ist gut genug» nicht reicht, kann es sinnvoll sein, sich selbst eine Erlaubnis zu geben:

Erlaubnisse sind erlaubende Botschaften. Für Kinder (und auch Erwachsene) sind diese überlebensnotwendig. Kinder brauchen (und bekommen in der Regel auch) Erlaubnisse. Es ist möglich, sich selbst Erlaubnisse zu geben oder sich diese an einem späteren Zeitpunkt im Leben geben zu lassen.

Hier sind einige Anregungen, wie Erlaubnisse formuliert werden könnten.

  • Sei stark!
    Sei offen und drücke deine Wünsche aus! Du darfst dir Hilfe holen. Du darfst deine Gefühle haben, darfst sie ausdrücken oder für dich behalten. Du darfst empfänglich sein für Zuwendungen und Konfrontationen.
  • Sei perfekt!
    Du bist gut, so wie du bist! Du darfst Fehler machen. Du darfst mit anderen bei Fehlern nachsichtig sein. Du brauchst dich nicht stets zu rechtfertigen.
  • Sei (anderen) gefällig!
    Mach es dir recht! Du darfst deine eigenen Bedürfnisse, Gedanken und Gefühle ernst nehmen. Du bist auch dann OK, wenn andere mit dir nicht zufrieden sind. Du darfst die Dinge auch so anpacken, wie sie dir liegen.
  • Beeil dich!
    Nimm dir Zeit! Du darfst dir die Zeit nehmen, die du brauchst. Du darfst deinen eigenen Rhythmus beachten. Du darfst deine eigene Lage und Kondition berücksichtigen.
  • Streng dich an!
    Tu es! Du darfst die Dinge ruhig und mit klarem Blick für das Nötige angehen. Du darfst deine Dinge entspannt vorausplanen. Du darfst erfolgreich sein und dies auch geniessen. Du darfst die Dinge nach deinen eigenen Kräften tun oder lassen.

Verfasst von Katrin Hodel, Kursleiterin TA Schweiz

Quellen:

  • Schlegel, L. (2020). Die Transaktionale Analyse (6. Aufl.). DSGTA Deutschschweizer Gesellschaft für Transaktionsanalyse.
  • Stewart I., Joines V. (1990). Die Transaktionsanalyse (7. Auflage). Herder Verlag